Patente und Schutzrechte sichern nicht nur technische Erfindungen ab. Sie spielen auch als Assets bei Unternehmenstransaktionen und bei der Kapitalbeschaffung eine große Rolle – gerade in Krisenzeiten.
Durch die Wirtschaftskrise sind vor allem im Mittelstand Unternehmenswerte stark gesunken und Finanzierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Für den Erfolg von M&A-Transaktionen und für die Kapitalbeschaffung sollte daher geistiges Eigentum wie Patente, Schutzrechte und Marken nicht unberücksichtigt bleiben. Das gilt vor allem für technologiegetriebene Geschäftsmodelle. Denn in der Praxis hat sich gezeigt, dass die Berücksichtigung von Intellectual Property nicht nur den Bewertungskorridor erhöht, sondern auch die Besicherungsbasis für Finanzierungen erweitert. Vor allem Debt Funds erkennen Technologiepositionen oft als valides Sicherungsgut an.
Kapitalwertorientierte Bewertungsverfahren
Nachteil der traditionellen Vorgehensweise bei M&A-Transaktionen ist, dass Unternehmenswerte in Wirt-schaftskrisen im Vergleich zu den nicht krisenbehafteten Vorjahren überproportional sinken. Das hat zwei Gründe: Zum einen werden klassische Unternehmensbewertungen auf Basis von Finanzkennzahlen und meist mithilfe der Multiplikatoren- Methode hergeleitet. In Krisensituationen fallen beide Bewertungsfaktoren (Multiple und Ertragswert) niedriger aus. Zum anderen spielen Technologiepositionen bei der Bewertung mittelständischer Unternehmen oft nur eine untergeordnete oder bestenfalls indirekte Rolle.
Eine alternative Vorgehensweise ist, auf Basis von gutachterlichen Methoden in einem kapitalwertorientierten Verfahren – ähnlich wie bei der Herleitung des Unternehmenswertes – die Technologieposition des Unternehmens darzustellen (Best Owner M&A). Das kann über Value-in-Use-, Transfer-Value- oder Market-Value-Modelle erfolgen. Bei der Analyse der Werthaltigkeit werden nicht nur die direkten Wettbewerber als potenzielle Käufer herangezogen, sondern auch solche Unternehmen, die mit der betreffenden Technologie einen Zusatzertrag erwirtschaften könnten. Im Ergebnis ist der so hergeleitete Wert der Technologieposition oft höher als der auf traditionellem Weg hergeleitete Unternehmenswert. Zeitgleich erfolgt im Rahmen dieser Arbeiten die Auswahl interessierter Käufer, die dann in Form eines entsprechend modifizierten M&A-Prozesses angesprochen werden.
Die Vorteile liegen auf der Hand: zeitlich verkürzte Prozesse bei der Vorbereitung, fokussierte, internationale Ansprache und damit Kostenersparnis und Transaktionssicherheit sowie oftmals ein höherer Verkaufspreis.
Stille Reserven erhöhen Besicherungsbasis
Jenseits der gängigen Finanzierungskonzepte bleiben stille Reserven in Form von werthaltigen, gewerblichen Schutzrechten (Marken und Patente) oft ungenutzt. Bei Technologieunternehmen kann dies bis zu 70 Prozent des Unternehmenswertes ausmachen. Marken und Patente sind klassische Assets, die im Zuge der Besicherung eines Kredits oder als Bausteine einer strukturierten Finanzierung genutzt werden können. Für deren Bewertung hat der Gesetzgeber mit IDW S5 die entsprechenden Rahmenbedingungen gesetzt.
Die Berücksichtigung dieser stillen Reserven kann die Besicherungsbasis erhöhen und helfen, das gewünschte Finanzierungsvolumen zu erzielen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Finanzierungsbedarf die materiellen Sicherheiten übersteigt und/oder der Gesellschafter keine Sicherheiten mehr stellen kann.
Alternativen prüfen
Geschäftsbanken sind bei der Ausreichung von Kapital in solchen Fällen und mit den neu generierten Sicherheiten regelmäßig überfordert. Interessante Alternativen sind Debt Funds mit ihren unterschiedlichen Fremdkapitalprodukten, wie z.B. dem Direct Lending, bei dem Kredite für operative oder strategische Anlässe über die übliche Bankverschuldung hinaus vergeben werden. Weitere Möglichkeiten bietet Special Situation Debt Financing, bei dem Kredite in Sondersituationen zur Deckung temporärer Kapitalbedarfe ausgereicht werden können.
Auch Wachstumsstrategien wie Technologieentwicklungen, die Diversifikation in neue Märkte und Applikationen oder Akquisitionen sind regelmäßig an einen höheren Finanzierungsbedarf geknüpft, bei dem die Besicherungsbasis aber möglicherweise nicht ausreicht, um zusätzliches Kapital auf herkömmlichem Weg zu beschaffen.
Bei der Ansprache von Debt Funds sollten Unternehmen sehr gut vorbereitet vorgehen. Denn die Prüfungen erfolgen – anders als bei Banken – deutlich umfangreicher.
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