„Mit einer guten ESG-Policy lässt sich auch Geld verdienen“

Beitrag von: Ulrike Lüdke
28. Juni 2023

Finanzinvestoren betrachten ESG bislang vor allem unter Risikoaspekten. Doch es gibt auch Vorreiter, die das Thema strategisch angehen. Marc Thiery von DPE Deutsche Private Equity gehört zu den Vertretern, die in nachhaltigem Wirtschaften und Investieren Chancen zur Wertsteigerung sehen.

Herr Thiery, Zukäufe, Kostensenkungsmaßnahmen oder Financial Engineering sind bekannte Wertsteigerungsstrategien von Finanzinvestoren. Welche Rolle spielt das Thema ESG inzwischen als Werthebel im PE-Geschäft?

Marc Thiery: In der Branche wird ESG meist noch als Risikothema gesehen, d.h., es geht vor allem um die Erfüllung von ESG-Compliance-Vorgaben, ESG-Reporting-Standards und des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes. Bei DPE beziehen wir ESG-Aspekte bereits seit 2016 in unsere Risikoprüfung mit ein. Seit zwei bis drei Jahren schauen wir darüber hinaus, wie unsere Portfoliounternehmen Nachhaltigkeitsaspekte als Werthebel einsetzen können. Denn mit einer guten ESG-Policy lässt sich auch Geld verdienen. Unternehmen, die umweltfreundlich produzieren, ihren Energieverbrauch senken und höchste Standards bei Arbeitsbedingungen und Personalentwicklung umsetzen, verschaffen sich dadurch messbare Wettbewerbsvorteile.

Wie haben Sie ESG-Aspekte in Ihre Prozesse integriert?

MT: Die Implementierung von ESG-Standards zieht sich durch unseren gesamten Investmentzyklus. Wir berücksichtigen bereits beim Deal Sourcing viele Aspekte, indem wir bestimmte, nicht nachhaltige oder aus ethischen Gründen nicht zu unserer Investitionsstrategie passende Geschäftsmodelle ausschließen. Danach durchläuft jedes unserer potenziellen Investments eine von externen Spezialisten durchgeführte ESG Due Diligence, die die Grundlage für konkrete Maßnahmen nach dem Vollzug der Transaktion bildet. Ziel ist es, sowohl Risiken zu minimieren als auch zusätzliche Wachstumschancen oder Profitabilitätsverbesserungen zu realisieren. Als Gesellschafter überwachen wir die Umsetzung der Maßnahmen kontinuierlich und stehen bei Bedarf dem Management als Sparringspartner zur Verfügung.

Darüber hinaus beschäftigen wir uns gerade intensiv mit der Frage, wie sich durch den Einsatz von digitalen Lösungen und standardisierten Abläufen die stetig steigenden ESG-Transparenz und Berichtsanforderungen der Regulierungsbehörden möglichst effizient erfüllen lassen.

Gibt es ESG-basierte KPI-Vorgaben, die die Portfoliounternehmen erfüllen müssen?

MT: Zu den Transparenzkriterien kommen weitere relevante Parameter hinzu, anhand derer wir den Fortschritt zu mehr Nachhaltigkeit messen. Wir geben allerdings keine harten Vorgaben, sondern setzen auf einen partnerschaftlichen Ansatz in der Zusammenarbeit mit dem Management. Bei vielen Unternehmen beobachten wir eine große Bereitschaft, sich selbst konkrete Ziele zu setzen und die Umsetzung auf den Weg zu bringen.

Wie überwachen Sie die ESG-Performance Ihrer Portfoliounternehmen?

MT: Wir fragen mindestens einmal jährlich, bei bestimmten Kennzahlen auch monatlich, alle für uns und unsere Stakeholder relevanten Parameter über eine dafür konzipierte Reporting-Plattform ab. Dieser Datensatz inkl. einer standardisierten Messung des CO2-Fußabdrucks aller Firmen ist die Basis für alle Performance-Messungen und damit auch der Fortschrittsmessung.

Jetzt mal konkret: Mit welchen Maßnahmen unterstützen Sie Unternehmen, um deren ESG-Standards zu verbessern?

MT: Grundsätzlich stellen wir allen Portfoliounternehmen unser Wissen und unsere Erfahrung zur Verfügung, auch bei der Ideenfindung und Initiierung von Projekten mit ESG-Bezug. Unsere Beteiligung B+L ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit ökologische und ökonomische Vorteile kombiniert werden können: B+L bietet temporäre Containerlösungen z.B. für Baustellen oder für Events an. Wir haben das Management bei der Entwicklung und Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsstrategie begleitet. B+L hat zunächst interne Prozesse nachhaltiger gestaltet, u.a. durch den Bezug von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energieträgern und durch die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte. Darüber hinaus wurden neue Produkte entwickelt, wie nachhaltige Container mit einem hohen Holzanteil und besserer Dämmung, wodurch die laufenden Kosten für Betreiber deutlich gesenkt werden. Das kommt bei den Kunden gut an. Eine neue Produktreihe wird durch eine Solarlösung energetisch komplett autark sein.

Welche Unternehmen sind Ihnen lieber: die, bei denen Sie noch viel optimieren können, oder die, die schon den richtigen ESG-Pfad eingeschlagen haben?

MT: Am liebsten sind uns Unternehmen, die bereits ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen. Das trifft derzeit auf 14 Beteiligungen zu, in die wir aus unseren Hauptfonds investiert haben. Dies ist allerdings für uns keine notwendige Voraussetzung für ein Investment. Bei unserem Impact-Fonds, den wir für dieses Jahr planen, werden die Standards höher sein, d.h., wir werden nur in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell einen signifikanten, messbaren und während unserer Investitionsdauer steigerbaren positiven Impact auf die Umwelt hat.

Honoriert denn der Markt nachhaltige Unternehmen mit einer ESG-Arbitrage?

MT: Bisher noch nicht in großem Umfang, aber das wird sicherlich zunehmen. Insbesondere strategische Käufer legen Wert auf gut aufgestellte Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen und konsequent verbessern. Und Impact-Fonds, deren Anzahl und Volumen immer mehr zunehmen, werden sicherlich in Zukunft eine Prämie zahlen.

Foto: DPE Deutsche Private Equity

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