Standardisierte und automatisierte Prozesse machen Deals schneller, effizienter und günstiger. Für kleinere und mittlere Unternehmen entstehen damit ganz neue Chancen auf dem M&A-Markt.
Was bei großen Transaktionen Standard ist, hält langsam Einzug im Small-Cap-Segment: M&A-Deals werden zunehmend professioneller. Treiber sind zum einen die zunehmenden regulatorischen Anforderungen, zum anderen treten immer mehr Finanzinvestoren und strategische Käufer in diesen Markt ein. Aber auch neue Möglichkeiten der Datenanalyse und Technologie unterstützen diese Entwicklung.
Druck, kleinere M&A-Deals effizienter, professioneller und profitabler abzuwickeln, kommt auch durch die große Anzahl an Nachfolgen, die in Deutschland aktuell anstehen. So streben laut KfW bis Ende des Jahres – nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels – insgesamt 190.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgelösung an. Eine externe Übergabe kommt laut KfW für 45 Prozent der Nachfolgeplanenden infrage. Allerdings begegnen sie zahlreichen Hürden, die den Nachfolgeprozess erschweren – von der Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten bis hin zu bürokratischen Fallstricken.
Höhere Qualität durch digitale Prozesse
Bei der Professionalisierung und Industrialisierung von Small-Cap-M&As spielen technologische Fortschritte – von CRM-Lösungen bis hin zu Dealsourcing Tools – eine zentrale Rolle. Die neuen digitalen Anwendungen funktionieren wie spezialisierte Vermittler und ermöglichen, dass Unternehmensverkäufer und ihre M&ABerater mit potenziellen Käufern zusammenfinden. Dies vereinfacht nicht nur die bisherigen Prozesse, sondern erhöht auch die Transparenz – sowohl beim Dealsourcing als auch bei der Transaktion selbst – und spart Zeit und Geld.
Weitergedacht wird die digitale M&A-Lösung zu einer Art „One-stop Shop“. Neben der Vermittlung zwischen Verkäufer und Käufer kann über sie auch die Akquisitionsfinanzierung abgedeckt werden. Dadurch lässt sich u.a. die Chance eines erfolgreichen Unternehmensverkaufs erhöhen. Während durch die Verkäuferseite vorstrukturierte Finanzierungen, sogenannte Stapled Finance, im Large-Cap-Segment durchaus üblich sind, steckt der Small-Cap-Bereich diesbezüglich derzeit noch in den Kinderschuhen. In puncto Finanzierung besteht bei kleineren Transaktionen somit noch viel Entwicklungspotenzial. Mithilfe von digitaler Technologie lassen sich in der M&A-Beratung außerdem eine höhere Prozesseffizienz erzielen und ein größeres Deal-Volumen bearbeiten. Dies wirkt sich wiederum positiv auf das Preis-Leistungs-Verhältnis der Beratungshäuser aus, wovon kleinere Mittelständler profitieren. Zudem kann eine standardisierte und strukturierte Vorgehensweise dazu beitragen, Risiken bei M&A-Transaktionen im Small-Cap-Segment zu reduzieren, wodurch sich die Qualität der Transaktionen verbessert. Dies stärkt, etwa bei Investoren wie Private Equity oder Family Offices, das Vertrauen in das Small-Cap-Segment.
Konventionen aufbrechen
Abgesehen von den technologischen Neuerungen gehen einige M&A-Beratungshäuser neue Wege, indem sie ihre Sales- und Beratungsteams funktional trennen. In diesen Fällen übernimmt der Vertrieb Aufgaben des Deal-Teams, indem er nicht nur Mandate generiert, sondern auch den Kontakt und das Vertrauensverhältnis zum Kunden aufbaut. Erst wenn der Vertrag unterzeichnet ist, übernimmt das Transaktionsteam. Dessen Fokus liegt auf der Betreuung der Kundenportfolios und dem Zustandekommen der Deals. Eine vergleichbare funktionale Trennung lässt sich auch auf Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte übertragen: Während sie den Mandantenkontakt haben und Kunden akquirieren, übernehmen M&A-Berater und digitale M&A-Lösungen die Umsetzung.
Anders als traditionell üblich, setzen diese M&A-Beratungshäuser zudem auf schlanke operative Teams. Senior Partner, die die Mandate gewinnen und die Kundenbeziehung aufbauen, sind im organisatorischen Alltagsgeschäft nicht mehr so stark eingebunden. Dies macht den M&A-Prozess effizienter und kostengünstiger für die Mandanten.
Win-win-Situation
Durch die Automatisierung und die damit einhergehende Professionalisierung von M&A-Transaktionen entstehen im Small-Cap-Segment neue Möglichkeiten: Unternehmen und ihre Berater können spezialisierte M&A-Software-Tools und -Lösungen nutzen, um den Prozess zu rationalisieren. Die Mandanten profitieren nicht nur von geringeren Kosten, sondern auch von einer höheren Transparenz und Effizienz bei der Suche nach Kaufinteressenten oder Übernahmezielen, bei der Due Diligence, bei Verhandlungen sowie beim Abschluss von Transaktionen.
kai.hesselmann@dealcircle.com
Illustration: 123rf.com/iuriimotov