Smart Buy and Build

Beitrag von: Sascha Kaumann
28. September 2023

Finanzinvestoren können durch Zukäufe ihre Portfoliounternehmen auf ein neues Level heben und ganze Industrien transformieren. Besonders effektiv ist ein vertikaler Ansatz, der auf die Erweiterung der Wertschöpfungskette setzt.

Buy and Build gilt für viele Finanzinvestoren bislang als Königsweg, wenn es um die Weiterentwicklung und Wertsteigerung ihrer Portfoliounternehmen geht: Ein aussichtreiches, meist mittelgroßes Unternehmen wird erworben und durch weitere Zukäufe stark ausgebaut. Die Logik dahinter: Kleinere Unternehmen – sogenannte Add-ons – werden günstig erworben und in das Plattformunternehmen integriert. Beim späteren Verkauf lässt sich so eine Prämie erzielen. Doch die steigende Aktivität von Finanzinvestoren treibt die Kaufpreise in die Höhe und macht diese Buy-and-Build-Strategie zunehmend unattraktiv. Ein anderer Ansatz, der nicht allein auf Größe setzt, ergänzt die bestehenden Portfoliounternehmen durch vertikale Zukäufe. Die Diversifizierung der Produktpalette oder des Dienstleistungsangebots ermöglicht es dem Unternehmen, gezielt in neue Marktsegmente vorzustoßen. Dadurch gelingt der langfristige Aufbau neuer Marktteilnehmer, die ganze Industrien transformieren können, wie das Beispiel STP zeigt.

Vom deutschen Nischenplayer zum europäischen Branchenführer

Im Dezember 2020 beteiligten sich von Bregal Unternehmerkapital (BU) beratene Fonds mehrheitlich an dem Softwarespezialisten STP aus Karlsruhe. Zum damaligen Zeitpunkt lag der Schwerpunkt von STP auf der Digitalisierung von Insolvenzverwaltern und Rechtsanwälten in der DACH-Region – eine Nische, die viel Wachstumspotenzial versprach. Denn bereits zu Beginn der gemeinsamen Partnerschaft war klar, dass sich der wachsende Digitalisierungsdruck nicht nur auf das bestehende Kundenportfolio von STP beschränken, sondern die gesamte rechtsberatende Branche nachhaltig transformieren würde.

Wachstum und Diversifizierung

Die Strategie basierte im Wesentlichen auf zwei Säulen: Gemeinsam mit BU sollte zum einen das organische Wachstum nachhaltig vorangetrieben werden. Zum anderen strebte STP den Ausbau des Produkt- und Dienstleistungsportfolios im gesamten Legal-Tech-Segment an. Einen ersten Meilenstein markierte dabei die Expansion der Gruppe nach Österreich, mit der sich STP nicht nur den Zugang zum benachbarten Markt und dem neuen Notariat-Kundenstamm sichern, sondern zeitgleich auch das bestehende Angebot um Dateninformationsleistungen ergänzen konnte.

Wenig später wurde unter der Ägide des neuen CEO Oliver Bendig, eines versierten B2B-Tech-Experten mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung internationaler Unternehmen, die bereits begonnene „ Software as a Service“ (SaaS)-Produkttransformation auf ein neues Level gehoben. Zeitgleich konzentrierte sich STP gemeinsam mit seinem Mehrheitsinvestor auf die Erweiterung der Produktpalette: Durch weitere Zukäufe wie etwa Cloud-basierte Dienstleistungen und Künstliche Intelligenz sollte das Lösungsangebot von STP auch in den Bereichen Corporate Legal und B2B Legal national und international ausgebaut werden.

Vorstoß in neue Märkte

Das Ergebnis: Weniger als zwei Jahre nach Beginn der Partnerschaft gelang es dem Karlsruher Software-Player, mit zwei weiteren Add-ons den bestehenden Kundenstamm um kleine und mittelgroße Kanzleien zu erweitern und das Cloud-basierte SaaSProduktportfolio signifikant zu vergrößern. Mit einem weiteren Zukauf stärkte STP erneut seine Marktposition in der DACH-Region, gewann an Know-how im Bereich Legal- und Insolvenzsoftware und sorgte damit für das notwendige Fundament seines europaweiten Wachstums.

Die mehrheitliche Übernahme von Knowliah, des führenden europäischen KI-gestützten SaaS-Enterprise-Legal-Management-Anbieters, im Juli 2023 markierte ein weiteres Highlight in der bisherigen Erfolgsstory von STP: Damit ebnete die Gruppe ihren Einstieg in den attraktiven Corporate-Legal-Markt und drehte weiter am Internationalisierungsrad – dieses Mal in Richtung Belgien. Auch in Zukunft stehen die Zeichen auf Wachstum: Angesichts der steigenden Komplexität in der Rechtsbranche sowie der durch KI rasant voranschreitenden digitalen Veränderungen will STP gemeinsam mit der Unterstützung von BU zur führenden Adresse in puncto Legal Tech aufsteigen.

Illustration: Stefanie Schwary

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