Der M&A-Markt honoriert die Größenvorteile eines Unternehmens mit höheren Bewertungsmultiples. Indem kleine Unternehmen zunächst Teil eines Unternehmensverbundes werden, lässt sich der Unternehmenswert und damit auch der Verkaufserlös steigern.
Wachsen durch Zukäufe im Rahmen einer Buy-and-Build-Strategie gewinnt auch im Mittelstand zunehmend an Bedeutung. Durch zielgerichtete Akquisitionen können Unternehmen ihre Marktanteile ausbauen und Größenvorteile realisieren. Allerdings verfügen nicht alle über die notwendige Finanzkraft und die Kompetenzen, mehrere Transaktionen und die anschließende Integration zu stemmen. Eine Alternative ist es, den Wert des eigenen Unternehmens bzw. seiner Anteile zu steigern, indem man selbst Teil einer Unternehmensgruppe wird.
Harter Wettbewerb
Ausgangspunkt von Buy-and-Build-Ansätzen sind häufig strukturelle Veränderungen im Markt. Nach jahrelangen Wachstumsphasen kämpfen Unternehmer mit einer Vielzahl an Herausforderungen: Neben der Covid-Krise setzen die Konflikte mit China und vor allem der Russland-Ukraine-Krieg, die Maßnahmen und Regelungen rund um die Klimakrise sowie der Fachkräftemangel der Wirtschaft stark zu. Selbst für Marktführer zeigt sich, dass „eine Flucht nach vorne“ – also der Verkauf – oft eine bessere Zukunft für das Unternehmen verspricht. Die Veräußerung der Wärmepumpensparte von Viessmann an einen US-Konkurrenten ist dafür ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit.
Aber auch ohne akute Krise kann vor allem für kleine und mittlere Unternehmen die Integration in eine Unternehmensgruppe in vielfacher Hinsicht von Vorteil sein. So können bspw. schnell breitere und attraktivere Produkt- und Serviceangebote mit entsprechenden Kompetenzen und Kapazitäten geschaffen werden, die höhere Marktanteile und Margen versprechen – auch weil auf diesem Weg größere und oft auch internationale Kunden mit höheren Auftragsvolumina erschlossen werden können. Zudem wird damit die Abhängigkeit von einzelnen Kunden, Märkten und Regionen reduziert. Größere Unternehmen verfügen darüber hinaus über mehr Möglichkeiten und Mittel, um im „War for Talents“ qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Durch die zunehmende Spezialisierung und die veränderten Arbeitsprozesse können die Mitarbeiter gezielter eingesetzt, gefördert sowie Skalierungseffekte erreicht werden. Dies erhöht nicht nur die Marge, sondern verbessert auch die Leistung des Unternehmens insgesamt und damit seine Wettbewerbsposition.
Size matters
Solche und weitere Größenvorteile zeigen sich auch in der Bewertung von Unternehmen. In den meisten Branchen sind Bewertungsmultiples eng mit der Unternehmensgröße verbunden. Denn für stabilere Unternehmen, die mit besseren Angeboten und Mitarbeitern schneller wachsen, mit höheren Marktanteilen nachhaltig attraktivere Margen erwirtschaften, eine kompetente Unternehmensführung auch auf zweiter Ebene aufbauen sowie die Nachfolge und Unabhängigkeit von Einzelpersonen sichern konnten, bieten sich mehr Optionen mit größeren Zukunftspotenzialen. Solche Unternehmen sind folglich für Investoren attraktiver, sodass deutlich höhere Multiples gezahlt werden.
Schrittweiser Verkauf
Dies bedeutet für mittelständische Unternehmer, dass der Verkauf des Unternehmens oder seiner Anteile im Rahmen einer Buy-and-Build-Strategie finanziell sehr attraktiv sein kann. Dabei veräußert der Inhaber sein Unternehmen zunächst mehrheitlich an einen Private-Equity-Investor. Neben einem Teil des Verkaufserlöses erhält der Verkäufer im Gegenzug Anteile an der neuen Holdinggesellschaft. Damit kann er einen Teil des in seinem Unternehmen gebundenen Vermögens hinter die Brandmauer bringen und in Zukunft als Gesellschafter von den Wertsteigerungen des größeren Verbundes profitieren.
Auf diese Weise kann auch eine zunächst relativ niedrige Einstiegsbewertung kompensiert werden: Denn zum einen wird der Kaufpreis in einer günstigeren Struktur aus Eigen- und Fremdmitteln finanziert. Zum anderen ist der Kaufpreis für die Rückbeteiligung ebenfalls entsprechend niedriger. In Summe führt dies zu einem vergleichsweise hohen Liquiditätszufluss in das Privatvermögen des Verkäufers. Darüber hinaus verspricht die Beteiligung an einer Private-Equity-finanzierten Unternehmensgruppe ein hohes Wertsteigerungspotenzial, das durch einen späteren Verkauf zu einem deutlich höheren Multiple realisiert werden kann. Für diese Praxis gibt es seit Jahren branchenübergreifend viele erfolgreiche Beispiele.
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Illustration: Stefanie Schwary