Bislang profitieren noch viele Unternehmen von fix vereinbarten Zinssätzen bei der Finanzierung. Stark gestiegene Refinanzierungskosten und der erschwerte Zugang zu Fremdkapital rücken jedoch das Thema Liquiditätsmanagement wieder stärker in den Fokus der CFOs.
Cash is King“ – dieses Motto, gewinnt in den Managementetagen deutscher Unternehmen angesichts gegenwärtiger Entwicklungen immer mehr an Bedeutung. Ein starker Anstieg der Leitzinssätze in der Eurozone, den USA und in zahlreichen Ländern in der restlichen Welt hat seit Mitte 2021 die Fremdkapitalkosten in die Höhe getrieben.
Insbesondere neue Kredite sowie die Refinanzierung bestehender Schulden sind deutlich teurer, sodass die Refinanzierung oder Investitionen für Unternehmen zunehmend zur Herausforderung werden. Während Investitionen in einem gewissen Ausmaß verschoben werden können, müssen endfällige Kredite am Stichtag zurückgezahlt oder zu einem gegenwärtig deutlich höheren Zinssatz refinanziert werden. Eine aktuelle Studie der europäischen Ratingagentur Scope rechnet mit einem Anstieg der Zinskosten für die Refinanzierung von europäischen Unternehmenskrediten für das Jahr 2024 um 54 Prozent. Insbesondere in Deutschland, das durch eine kapitalintensive Industrie und entsprechend hohe Unternehmensschulden geprägt ist, stehen viele Unternehmen aus konjunktursensiblen Branchen wie z.B. der Automobilindustrie oder dem Maschinen- und Anlagenbau vor schwierigen Zeiten.
Zentraler Ankerpunkt: Transparenz
Vor diesem Hintergrund ergibt sich für CFOs, die im zurückliegenden Jahrzehnt von billigem Geld der Banken profitiert haben, die Notwendigkeit, sich wieder verstärkt der Innenfinanzierungskraft ihrer Unternehmen zu widmen. Konkret geht es darum, im Unternehmen wieder ein Bewusstsein für das Thema Liquidität und Cash Management zu schaffen und die Mitarbeiter dahingehend zu sensibilisieren. Dabei steht Transparenz an oberster Stelle. Hierfür sollte neben einer integrierten Unternehmensplanung eine kurz- und mittelfristige Liquiditätsplanung und -steuerung implementiert werden, um bestehende Kapitalbedarfe zu erkennen und frühzeitig gegenzusteuern. Insbesondere bei größeren anstehenden Investitionen und Refinanzierungen kann eine kurz und mittelfristige Liquiditätsplanung mögliche Liquiditätsbedarfe transparent darstellen und den CFO dabei unterstützen, rechtzeitig entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Gleichzeitig sollte ein regelmäßiger Plan-Ist-Abgleich der liquiden Mittel erfolgen, um die Qualität der Planung zu evaluieren. Bei größeren Unternehmen empfiehlt es sich, die Optimierung des Cash Pooling sowie die effiziente Allokation liquider Mittel zentral über eine Bank zu steuern.
Kurzfristige Optimierungsansätze
Eine bewährte Methode zur Verbesserung der Liquidität ist das Working Capital Management. Im Mittelpunkt steht hier die Optimierung der kurzfristigen Forderungen und Verbindlichkeiten sowie der Vorräte. Bei knapper Liquidität lässt sich durch die gezielte Ausreizung und Ausweitung der Zahlungsziele bei Lieferanten übergangsweise Liquidität generieren.
Für eine nachhaltige Optimierung des Working Capital sollten die relevanten Prozesse im Unternehmen auf Ineffizienzen überprüft werden. Sie lassen sich meist durch ein gezieltes Coaching der verantwortlichen Mitarbeiter verbessern. Ein hohes Engagement des CFO ist hierbei unerlässlich. Mögliche erste Ansätze sind die Verbesserung des Inkassomanagements sowie eine umfassende Evaluierung der Vorratsbestände und der Prozesse im Einkauf. Neben weiteren Maßnahmen wie z.B. der Optimierung der Zahlungsziele bei Lieferanten sollte immer auch die Möglichkeit des Factoring und der Einkaufsfinanzierung in Betracht gezogen werden.
Alternative Finanzierungsform: Sale-and-lease-back
Zur mittelfristigen Generierung liquider Mittel eignet sich Sale-and-lease-back. Dabei wird Anlagevermögen an spezialisierte Leasinggesellschaften verkauft und anschließend von diesen zurückgemietet. Dies schont die Bilanz und verbessert die Eigenkapitalquote. Neben klassischem Anlagevermögen wie Maschinen oder Gebäuden kommt dafür ggf. auch ein Enterprise-Resource-Planning(ERP)-System infrage. Sale-and-lease-back sollte immer auch bei anstehenden Investitionen als alternative Finanzierungsform zur klassischen Bankfinanzierung in Erwägung gezogen werden.
Trapped Cash: Auslandstöchter im Blick“
Zudem spielt beim Cash Management und der Analyse der freien Liquidität – insbesondere bei größeren, international aktiven Unternehmen – das „Trapped Cash“ eine wichtige Rolle. Darunter versteht man zumeist Geldvermögen in ausländischen Tochtergesellschaften, das nicht ohne Weiteres auf Konten der Muttergesellschaft im Inland transferiert werden kann. Gründe hierfür können Kapitalverkehrskontrollen, steuerliche Restriktionen oder andere regulatorische Hemmnisse sein. Eine Freisetzung von „Trapped Cash“ zieht sich in den meisten Fällen über einen längeren Zeitraum hin und erfordert einen intensiven Austausch mit Behörden und spezialisierten Steuerberatern. Für den CFO ist es wichtig, das Thema „Trapped Cash“ im Blick zu behalten und im Zuge der Liquiditätssteuerung und -planung zu berücksichtigen.
Letztlich erfordern die Schaffung von Transparenz über die vorhandene Liquidität sowie die Umsetzung möglicher Maßnahmen zu deren Freisetzung eine holistische Herangehensweise und auch ein hohes Maß an C-Level-Engagement.
MARCO FUSSENEGGER ist Manager im Bereich Restructuring Services bei Eight Advisory.
marco.fussenegger@8advisory.com

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