Effiziente Eigenkapitalbeschaffung für Small Caps

Beitrag von: Ulrike Lüdke
31. August 2023

Ein neues Fintech will mittelständischen Unternehmen den Zugang zu Eigenkapital erleichtern. Matthias Wittenburg, Co-Gründer der BB Beteiligungsbörse, erklärt, warum Direktbeteiligungen von kleinen Unternehmen im M&A-Markt unbeliebt sind und welche Idee hinter der neuen Plattform steckt.

Herr Wittenburg, Unternehmen, die Investoren für eine Eigenkapitalbeteiligung suchen, wenden sich i.d.R. an einen M&A-Berater. Wofür braucht es eine Plattform für Minderheitsbeteiligungen?

Matthias Wittenburg: Auch bei uns wird jede Transaktion durch einen erfahrenen Experten aus unserem Netzwerk begleitet. Der entscheidende Unterschied ist, dass wir sämtliche Prozessschritte standardisieren und, wo immer möglich, digitalisieren. So lassen sich der Aufwand und damit auch die Kosten für alle Beteiligten erheblich reduzieren. Denn bislang sind dies die Gründe, warum renommierte Berater und Banken, aber auch Investoren kleinteiligere Transaktionen meist meiden. Wir können so auch interessante Eigenkapitalbeteiligungen ab 1 Mio. EUR effizient platzieren.

Das gilt auch für andere M&A-Plattformen …

MW: Für Minderheitsbeteiligungen gibt es bislang kein vergleichbares Angebot. Abgesehen davon kümmern sich diese Plattformen im Wesentlichen um den Matching-Prozess, also die Zusammenführung von Unternehmen und Investor. Wir treten viel früher in den Prozess ein und begleiten alle Zwischenschritte bis zum Abschluss der Transaktion: Angefangen bei der Registrierung über die Erstellung des Unternehmensdossiers als detaillierter Angebotsunterlage für Investoren sowie das Matching bis hin zum standardisierten Vertragsentwurf findet alles auf der Plattform statt. Als erster Anbieter führen wir dabei eine obligatorische Verkäufer-Due-Diligence durch.

Aus welchen Gründen suchen KMU Eigenkapital?

MW: Eigenkapital wird meist benötigt, wenn sich das Unternehmen in einer Sondersituation befindet, bspw. um größere Investitionen zu stemmen, um Verwerfungen in der Unternehmensbilanz auszugleichen, in Restrukturierungs bzw. Insolvenzsituationen, oder wenn ein Gesellschafter ausscheiden möchte.

Wie schätzen Sie die Nachfrage nach Minderheitsbeteiligungen im Small- und Mid-Cap-Segment ein?

MW: Laut KfW kämpft ein Drittel der deutschen Unternehmen nach den Krisen der vergangenen Jahre mit einer sinkenden Eigenkapitalquote. Wir gehen davon aus, dass im Segment mit 5 Mio. bis 50 Mio. EUR Jahresumsatz etwa 150.000 Unternehmen revolvierend Eigenkapital in der Größenordnung von 1 Mio. bis 10 Mio. EUR suchen.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

MW: Wir haben den gesamten Prozess in Einzelteile zerlegt und kooperieren in einzelnen Prozessschritten mit etablierten Partnern. Bei der Erstellung der Legal und Commercial Due Diligence werden wir von der Kanzlei Pinsent Masons unterstützt, die ein Legal-Tech-Tool entwickelt hat. Mithilfe Künstlicher Intelligenz werden alle bestehenden Verträge des Unternehmens analysiert und ein Red-Flag-Report erstellt, der die Grundlage für die weitere Prüfung durch die Anwälte bildet. Das dampft den Arbeitsaufwand auf der juristischen Seite enorm ein und spart eine Menge Kosten. Bei der Financial Due Diligence arbeiten wir eng mit dem Digitalunternehmen Canei zusammen. Canei ist – ebenfalls durch den Einsatz von KI – in der Lage, innerhalb von Sekundenbruchteilen die wichtigsten KPIs des jeweiligen Targets zu analysieren, mit der Branche zu vergleichen und Schwachstellen aufzuzeigen. Finanzanalysen lassen sich so sehr schnell, akkurat und kostengünstig durchführen.

Woher kommt der Dealflow?

MW: Beim Dealflow und der Investorenbasis profitieren wir jetzt in der Startphase von unserem Hauptgesellschafter Companylinks, einer M&A-Matching-Plattform, die sich auf das Thema externe Nachfolgelösungen im Mittelstand spezialisiert hat. Zudem arbeiten wir mit der Hamburger Börse zusammen, die Mitgesellschafterin bei uns ist. Weitere Marktkenner wie Goetz Hertz-Eichenrode, Sprecher der Geschäftsführung von Hannover Finanz, sitzen als unsere Gründungsfinanziers ebenfalls mit im Boot. Als Plattform sind wir aber selbstverständlich auch für andere seriöse Marktteilnehmer offen. So kooperieren wir mit zahlreichen Multiplikatoren wie Banken, Sparkassen, Verbänden usw. Zudem sind Unternehmervertraute wie Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Anwälte wichtige Ansprechpartner für uns.

Für welche Investoren sind Minderheitsbeteiligungen in dieser Größenordnung interessant?

MW: Das können Finanzinvestoren, aber auch strategische Investoren sein. Zudem gibt es immer mehr Family Offices und vermögende Privatpersonen, die unternehmerische Direktbeteiligungen suchen. All diesen Gruppen fehlt bislang meist der Zugang zu passenden und qualitätsgeprüften Angeboten. Wir liefern von vorneherein bei jedem Beteiligungsangebot eine detaillierte Due Diligence mit. Das ist im Markt einmalig und stößt auf sehr großes Interesse.

Finanzinvestoren bewegen sich i.d.R. in anderen Größenkategorien und wollen lieber ihre eigene Due Diligence machen …

MW: Das ist richtig, und bei größeren Beteiligungen mit komplexen Strukturen und Unternehmenssituationen sind andere M&A-Prozesse gefragt, die sich durch standardisierte Prozesse auch nicht vollständig abbilden lassen. Allerdings kann eine Minderheitsbeteiligung an einem mittelständischen Unternehmen ein Einstiegsticket für eine spätere mehrheitliche Übernahme sein, bspw. im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Zudem sind auch Finanzinvestoren dankbar, wenn der wesentliche Teil der Due Diligence bereits erledigt ist.

In nicht allzu ferner Zukunft können wir uns auch vorstellen, mit entsprechenden Partnern eigene Fonds mit breit gestreuten Minderheitsbeteiligungen für institutionelle und Privatanleger aufzulegen.

Foto: BB Beteiligungsbörse Deutschland GmbH

Immer auf dem Laufenden bleiben und einmal monatlich alle Updates des FINANCE Think Tanks erhalten: registrieren Sie sich jetzt für unseren kostenlosen Newsletter!

    * Pflichtfelder

    Es gelten die Datenschutzhinweise der Targecy GmbH. Sie können der Verarbeitung Ihrer erhobenen personenbezogenen Daten jederzeit ganz oder teilweise mit Wirkung für die Zukunft durch eine Nachricht an info@targecy.de widersprechen. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.