Verschenkte Möglichkeiten

Beitrag von: Carl E. Hoestermann
24. August 2023

Digitales Avalmanagement schont die Liquidität, minimiert Risiken und vermeidet Fehler. Dennoch bleiben die Vorteile einer digitalen Lösung oft ungenutzt.

Brief und Fax leben immer noch. Zumindest im Avalmanagement sind die beiden klassischen Kommunikationswege – allen Schwächen zum Trotz – meist weiterhin im Einsatz. So wie auch die Karteikarte aus Karton manchem Unternehmen selbst im Jahr 2023 weiter zur Avalorganisation dient. Nicht alles wird durch die Digitalisierung zwangsweise besser. Aber gerade beim Avalmanagement liegen die Schwächen dieser analogen Instrumente auf der Hand: Sie sind langsam, umständlich, intransparent, fehleranfällig – und teuer.

Transparenz lässt sich mit Postbrief und Karteikarte gar nicht oder nur sehr aufwendig herstellen. Darum wissen Unternehmen oft nicht, wo sie bei Fälligkeiten oder Anträgen überhaupt stehen. Digitales Avalmanagement hilft, diese Schwächen schnell und günstig zu beseitigen. Auch Versicherungen und Banken selbst würden von der Digitalisierung profitieren, weil Prozesse wie die Beantragung schneller abgewickelt und damit Kosten eingespart werden können. Darum bieten Banken und Versicherer bereits Digitallösungen rund ums Aval an. Doch die meisten sind unzureichend und beheben das Problem der Intransparenz nicht ausreichend.

Dickicht der Einzellösungen

Das liegt vor allem daran, dass Banken und Kautionsversicherer eine Vielzahl individueller und ausschließlich bilateraler Lösungen entwickelt haben. Diese Angebote sind in aller Regel Insellösungen und individuell auf die anbietende Bank oder Versicherung zugeschnitten. Will ein Unternehmen jedoch – wie es in der Praxis der Regelfall ist – Avale unterschiedlicher Garanten managen, müssen in diesem Fall mehrere Digitallösungen parallel im Einsatz sein. Das ist nicht nur umständlich, sondern verhindert auch den schnellen und vollständigen Überblick über die Gesamtsituation bei den eigenen Avalen. So werden – wenn auch nicht auf der Karteikarte, so doch oft im Excel-Sheet – Daten händisch aggregiert. Übertragungs- und Anpassungsfehler sind damit programmiert.

Hilfreich ist hingegen eine umfassende Lösung, die alle Verträge auch unterschiedlichster Garanten komfortabel und übersichtlich zusammenführt und die am besten Banken und Versicherungen gleichermaßen einbindet. Denn erst eine solche Plattform erlaubt den vollständigen und jederzeitigen Überblick über Laufzeiten, Fälligkeiten, Linienausnutzungen und Konditionen im gesamten Unternehmen. Diese Transparenz spart zudem Kosten, weil unnötige Mehrkosten und Deckungslücken sofort sichtbar sind.

Multi-Garanten-Lösung gefragt

Die Anforderungen an eine solche Multi-Garanten-Lösung sind hoch. Zum einen muss sie für Versicherer und Banken attraktiv und komfortabel genug sein, dass diese auf ihre eigenen, für sie maßgeschneiderten Lösungen verzichten. Zweitens muss sie besonders hohen Sicherheitsstandards genügen, um Missbrauch inner- und außerhalb der Unternehmen zu verhindern. Und drittens sollte sie auch für alle Nutzer so einfach in der Bedienung sein, dass selbst Freunde von Fax und Brief die digitale Alternative intuitiv und gern nutzen. Dazu gehört schließlich auch ein persönlicher, hochprofessioneller Support, der die Fragen und Motive der Nutzer genau versteht und schnell helfen kann.

Tatsächlich gibt es eine solche Lösung inzwischen. Die Plattform erlaubt dank einer ausgeklügelten Berechtigungsstruktur Einsicht in laufende Verträge inklusive Sublimits innerhalb eines gesamten Konzerns. Die Nutzer können jederzeit erkennen, von wem und wie sehr die Linien bei allen Avalgebern ausgelastet sind. So können Entscheider auf den unterschiedlichsten Konzernebenen frühzeitig reagieren, sollten sich z.B. Bedarfe ändern. Mit dem integrierten Kalkulationstool kann jedes Unternehmen die eigenen Verträge hinsichtlich Gebühren und Mindestprämien miteinander vergleichen, sodass jeweils der kostengünstigste Vertragspartner ausgewählt werden kann.

Größe entscheidet

Für den Erfolg eines solchen Angebots sind aber nicht die technischen Funktionen und die Benutzeroberfläche allein entscheidend: Die Zahl der Benutzer gibt den Ausschlag, ob Avalgeber weiterhin an ihren Individuallösungen festhalten oder sich auch in der Multi-Garanten-Lösung engagieren. Das ist die Schwierigkeit zum Anfang jeder Plattform: Bei wenigen Anbietern gibt es nur wenige Kunden – bei wenigen Kunden nur wenige Anbieter. Wichtig ist daher, dass der Plattform-Betreiber in der Lage ist, bspw. aufgrund des eigenen Netzwerks, eine relevante Anzahl von Kunden wie auch Anbietern schon so früh wie möglich von seiner Plattform zu überzeugen. Gelingt ihm das, entsteht meist eine Erfolgsspirale: Wo schon viele sind, kommen immer mehr hinzu.

Illustration: 123rf.com/panzv

Immer auf dem Laufenden bleiben und einmal monatlich alle Updates des FINANCE Think Tanks erhalten: registrieren Sie sich jetzt für unseren kostenlosen Newsletter!

    * Pflichtfelder

    Es gelten die Datenschutzhinweise der Targecy GmbH. Sie können der Verarbeitung Ihrer erhobenen personenbezogenen Daten jederzeit ganz oder teilweise mit Wirkung für die Zukunft durch eine Nachricht an info@targecy.de widersprechen. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.